In Mali nahm seit 1991 die Zahl der gesellschaftlichen Vereinigungen, Interessenverbände und Basisgruppen stark zu. So waren bereits 2004 in Mali 2058 Nichtregierungsorganisationen (NGOs) offiziell registriert, davon 251 ausländische NGOs. Auf nationaler und regionaler Ebene existieren NGO-Dachverbände, wie beispielsweise die CCA-ONG, die SECO-ONG und CAFO, die wiederum Mitglieder der nationalen Dachorganisation FECONG sind. Die aufgeführten Organisationen wurden als Vertreter der NGOs zunehmend ernst genommen und zu wesentlichen Fragestellungen von der Regierung konsultiert.
Die NGOs, die in Mali weitestgehend frei arbeiten können, im Vergleich zu zahlreichen anderen Ländern, leisten einen wesentlichen und allseits anerkannten Beitrag zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes. Wobei einige NGOs erhebliche finanzielle Unterstützung von der Weltbank erhalten. Allerdings wird in zunehmendem Maße auch Kritik an gewissen NGOs geäußert, so beispielsweise an dem oft nicht zufriedenstellenden Management vieler NGOs oder an unverhältnismäßig hohen Ausgaben für Löhne und Ausstattungsgüter von NGOs.
Insbesondere seit dem Sturz der Traoré-Diktatur wird in Teilen der Bevölkerung oft über die Entwicklung der Zivilgesellschaft diskutiert. Trotz der Existenz von mittlerweile Tausenden NGOs kann man nach Einschätzung der VENRO in Mali, wie in zahlreichen anderen afrikanischen Staaten auch, (noch) nicht von einer ausgeprägten Zivilgesellschaft sprechen. Auch wird von manchen Beobachtern bezweifelt, ob die Vertreter der malischen Zivilgesellschaft eine breite Repräsentanz der Bevölkerung sicherstellen können; so beispielsweise, wenn es darum geht, die Berücksichtigung der Interessen breiter Bevölkerungskreise in der Ausarbeitung von neuen entwicklungspolitischen Grundsatzprogrammen sicherzustellen. Besonders stellt sich die Frage der ausreichenden Repräsentanz hinsichtlich der hohen Bevölkerungsmehrheit mit sehr schwacher Bildung. Denn die kleine gebildete Elite des Landes dominiert sowohl die Regierung wie auch die NGO-Szene.
Die meisten NGO Mitarbeitenden werden von der Bevölkerung primär als Vermittler zu externer Unterstützung angesehen, (vor allem finanzstarke ausländische NGOs). Auf der anderen Seite sehen sich Mitarbeitende vieler NGOs und diesbezüglich andere Verantwortliche in erster Linie als Umsetzende von extern finanzierte Entwicklungsaktivitäten, und weniger als aktive und kritisch-konstruktive Mitgestaltende gesellschaftlicher Diskussions- und Entscheidungsprozessen.
In Bamako fand 2009 parallel zum G-8-Gipfel in Davos ein Gegengipfel statt. Unter den Tausenden westafrikanischen Teilnehmern des globalisierungskritischen Weltsozialforums 2011, das 2011 in Dakar (Senegal) stattfand, befand sich auch die Bamako-Dakar-Karawane des Netzwerks afrique europe-interact. Der Protestmarsch war unter Beteiligung von Hunderten aus Frankreich abgeschobenen malischen Bürgern von Bamako nach Dakar gezogen. Das alljährlich stattfindende Bamako-Forum verstand sich als ein dem vorherrschenden Entwicklungsmodell gegenüber kritisch eingestelltes Diskussionsforum. Die ehemalige malische Ministerin für Kultur und Tourismus Aminata Traoré war als eine der prominentesten Globalisierungskritikerinnen Afrikas bekannt.
In zunehmendem Maße engagieren sich zivilgesellschaftliche Gruppierungen gegen die Zwangsrückführung malischer Migranten durch Behörden europäischer Staaten. Von Teilen der Zivilgesellschaft werden überdies die Aktivitäten ausländischer Großinvestoren, wie beispielsweise solche im Agrarsektor, kritisch beurteilt.
Medienlandschaft
Seit 1991 hat sich eine vielfältige Medienlandschaft entwickelt. Insbesondere in Bamako ist eine bedeutende Zahl von Tageszeitungen erhältlich. Landesweit besteht eine hohe Zahl an freien Radiostationen. Diese sind für die Informationsvermittlung und Sensibilisierung der größtenteils analphabetischen Bevölkerung von erheblicher Bedeutung und berichten kritisch über Missstände.
In den Jahren vor dem Militärputsch 2012 wurden vereinzelte Repressionen gegenüber Mitarbeitern der Presse und freier Radiostationen beklagt. So wurde 2005 ein Mitarbeiter einer Radiostation in Bamako, der kritisch über Machtmissbrauch berichtet hatte, von unbekannten Tätern entführt und brutal misshandelt. Ferner war die vorübergehende Schließung einer freien Radiostation durch die Administration zu beklagen, die über Unterschlagungen und den Mord an einem Lokalpolitiker berichtet hatte. Ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erregte die Verurteilung von fünf Journalisten wegen angeblicher Beleidigung des Präsidenten im Jahr 2007. Auch nach deren Entlassungen sahen sich die Angeklagten einem, ihrer Meinung nach, schikanösen Verhalten der Polizei ausgesetzt.
Hinsichtlich Pressefreiheit belegte Mali in 2020 den 108.ten Rang von 180 von «Reporter ohne Grenzen» bewerteten Staaten. In der Rangliste zur Pressefreiheit 2011 wies das Land noch eine der besten Platzierungen unter den Staaten des subsaharischen Afrikas auf (25.-er Rang von 179 Staaten). Diese erhebliche Verschlechterung der Einstufung Malis ist eine direkte Folge der eingetretenen schweren innenpolitischen Krise. Mali belegt 2024 Rang 114 von 180 im Mali +2, was einer weiteren Verschlechterung entspricht.
Seit dem Militärputsch 2012 zeigen sich die Arbeitsbedingungen von Journalisten und Radiomitarbeitern als erheblich verschlechtert. Es wurden brutale Angriffe auf Journalisten gemeldet, die weitgehend unaufgeklärt blieben. Auch die kriegerischen Auseinandersetzungen in Nordmali und die zeitweilige Besetzung weiter Landesteile durch Rebellen führten zu erheblichen Einschränkungen und Risiken für die freie Arbeit von Medienvertretenden. Zusätzlich erschwert wurden deren Arbeitsbedingungen durch den seit 2013 mehrfach für längere Zeiträume verhängten Ausnahmezustand.
2013 erfuhr die zeitweilige Verhaftung des Direktors einer Tageszeitung durch den Staatssicherheitsdienst Internationale Aufmerksamkeit. Der Verhaftete hatte zuvor über Beschwerden von in Nordmali eingesetzten Soldaten berichtet. Die Verhaftung, die weder vom Übergangspräsidenten noch vom Premierminister kommentiert wurde, führte zu Protesten und einem mehrtägigen Streik von Zeitungs- und Radiomitarbeitern.
Eine Grenzverletzung in Bezug auf Übergriffe auf Journalisten wurde im Februar 2018 registriert. Drei Mitarbeiter eines Nachrichtenportals wurden von der Justiz verhört und festgesetzt, nachdem sie zuvor von Unbekannten aus ihrem Büro verschleppt worden waren. Journalistische Arbeit bleibt besonders im Norden und Zentrum des Landes sehr gefährlich, und jede Kritik an der Armee kann eine Verhaftung wegen «Untergrabung der Truppenmoral» nach sich ziehen.
Aktuelle französischsprachige Informationen aus Mali findet man auf den Internetseiten von Afribone sowie in der Zeitung L’Essor. Weitere interessante Links, für die es sich lohnt, sie sich einmal anzuschauen, sind Maliweb, Journaldumali, Diasporaction, Depechesdumali, Bamada, Malizine und aBamako.
Menschenrechte
Mali konnte bis Anfang 2012 als ein Staat angesehen werden, in welchem die staatlichen Organe die Menschenrechte weitestgehend bewahrten. Denn besonders infolge der Besetzung weiter Landesteile durch islamistische Rebellen und der zeitweiligen Eskalation des Nordmali-Konflikts seit Anfang 2013 verschlechterte sich die Menschenrechtssituation grundlegend. In den von ihnen kontrollierten Gebieten begingen die Rebellen schwerste Menschenrechtsverletzungen bis hin zur Steinigung und Amputationen von Gliedmaßen, wobei sich die Täter auf die Sharia-Rechtsprechung beriefen. Aufgrund dieser Tatbestände nahm 2013 der Internationale Strafgerichtshof Ermittlungen wegen möglicher Kriegsverbrechen auf. Auch das von Rebellen in Aguelhok begangene schwere Kriegsverbrechen ist Gegenstand der Ermittlungen. Der offenen Anfeindungen ausgesetzten christlichen Minderheit verweigerten die Rebellen die freie Religionsausübung.
Ein im 2017 erschienener Bericht der Internationalen Vereinigung für Menschenrechte wirft Angehörigen der Armee vor, besonders in Zentralmali im Zuge der jüngsten Konflikte schwere Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben. Diese waren vor allem gegen Fulbe gerichtet. Zuvor hatten schon andere Menschenrechtsgruppen wiederholt von schweren Menschenrechtsverletzungen durch Angehörige der Sicherheitskräfte berichtet. Im Juni 2018 räumte das Verteidigungsministerium die Beteiligung von Soldaten an einem Massaker an Fulbe in der Region Mopti ein. Daraufhin forderten die USA eine ernsthafte Untersuchung des Massakers sowie der Straftaten der beteiligten Soldaten.
Einem im Juni 2020 erschienenen Bericht der MINUSMA zufolge begingen Armeeangehörige im Zeitraum Januar bis März 2020 über 100 außerrechtliche Hinrichtungen. In vielen Fällen geschahen die Taten im Anschluss an Angriffe von Extremistengruppen. Zwar werden Todesurteile von Gerichten weiterhin verhängt, in der Regel werden die Urteile aber nicht vollzogen. Die Abstimmung über einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der Todesstrafe wurde vom Parlament mehrfach vertagt. Jedoch existieren auch einflussreiche Befürworter der Todesstrafe.
Als erster afrikanischer Staat ratifizierte Mali das Maputo-Zusatzprotokoll zur Afrikanischen Menschenrechtscharta, das seit 2005 in Kraft ist. Mit der Ratifizierung verpflichten sich die Mitgliedsländer der Afrikanischen Union zur vollständigen Gleichberechtigung von Frauen und zur Bekämpfung gesundheitsschädlicher traditioneller Praktiken wie der weiblichen Genitalverstümmelung. Die Problematik der viele Malierinnen betreffenden Praxis der Genitalverstümmelung wird innerhalb dieses Länderinformationsportals unter „Gesellschaft“ behandelt.
Im Jahre 2000 haben die Regierungen Malis und der Elfenbeinküste ein Abkommen zur Bekämpfung des grenzüberschreitenden Kinderhandels unterzeichnet. Der Kinderhandel hatte seit Mitte der neunziger Jahre insbesondere aufgrund der weitverbreiteten Armut im ländlichen Raum stark zugenommen, wobei Minderjährige aus Mali von Schlepperbanden zur Zwangsarbeit auf Plantagen und als Dienstmädchen verschleppt wurden. In den vergangenen Jahren wurden in zunehmendem Maße Fälle bekannt, in denen Koranschüler als Bettler ausgebeutet wurden.
Korruption
Die Bekämpfung der Korruption gehört zu den wichtigen innenpolitischen Themen. Angesichts wiederkehrend neuer Vorwürfe und der Aufdeckung von Korruptionsfällen durch die Medien setzte die Regierung eine Anti-Korruptionskommission ein, die alljährlich einen Bericht veröffentlicht, in dem teils gravierende Fälle von Missmanagement und Unterschlagungen in Regierungsinstitutionen und Staatsunternehmen dokumentiert werden. Zudem hat seit 2017 ein Zentrales Büro zur Bekämpfung der illegalen Bereicherung (OCLEI, Office central de Lutte contre l’enrichissement illicite) seine Arbeit aufgenommen. Die Verhaftung einiger ehemaliger und teils zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung noch amtierender Direktoren von staatlichen und halbstaatlichen Unternehmen zeigte, dass sich die Regierung – auch angesichts der zunehmenden Kritik wichtiger Geber – ernsthaft um Schadensbegrenzung bemühte. Dennoch bleibt zu betonen, dass Korruption immer noch auf vielen Ebenen und in vielen Formen weit verbreitet und weiterhin als ein ernstes Entwicklungshemmnis anzusehen ist.
In ihrer Analyse des Wirtschaftsklimas beurteilte die Germany Trade and Invest die bisherige Korruptionsbekämpfungspraxis kritisch, da die aufgedeckten Missstände aufgrund der Schwäche der Justiz in vielen Fällen keine ernsten strafrechtlichen Folgen nach sich ziehen.
2004 setzte die Regierung einen Vérificateur général ein, der als unabhängige Kontrollinstanz gegen die illegale Verwendung staatlicher Gelder Zugang zu allen Akten hatte. 2006, in seinem Jahresbericht, bezifferte er die Gesamthöhe der dem Staat im Zeitraum 2002 bis 2006 durch illegale Praktiken und Misswirtschaft entzogenen Mittel auf 103 Mrd. FCFA. Für den Zeitraum 2006 bis 2010 schätzte er den Gesamtschaden sogar auf 360 Mrd. FCFA. Der 2011 ernannte neue Vérificateur général, Amadou Ousmane Touré, bezifferte den Gesamtschaden für das Jahr 2012 auf 50 Mrd. FCFA, wobei diese Schätzung auf der Untersuchung von lediglich 2 % aller staatlichen Dienststellen und Unternehmen basierte. Für die Jahre 2013 und 2014 wurde die Gesamtsumme der dem Staat durch illegale Praktiken und Missmanagement entgangenen Mittel auf 153 Mrd. FCFA beziffert.
2009 warfen dem damaligen Verificateur général einige seiner Mitarbeiter schwere Fehler vor. Dies führte zu seiner kurzzeitigen Verhaftung. Einige Geberländer und Teile der malischen Zivilgesellschaft verfolgen mit hoher Aufmerksamkeit, welche Konsequenzen die malische Regierung aus den Berichten des Vérificateur général zieht. 2014 wurde publik, die Regierung plane eine Abschaffung des Postens «Vérificateur général».
2008 trat der unter Korruptionsverdacht stehende damalige Minister für Energie und Bergbau zurück. In Folge einer Veruntreuungsaffäre trat der damalige Gesundheitsminister 2010 zurück. Auch in der Armee sind Günstlingswirtschaft und Unterschlagungen massiv verbreitet und können zu einem gewissen Grad als Ursachen für den Militärputsch im Jahr 2012 und als Schwäche der Armee bewertet werden.
Laut dem von Transparency International publizierten Korruptionswahrnehmungsindex nahm Mali 2019 Rang 130 von 180 bewerteten Staaten ein (2012: Rang 105 von 177 Staaten), was einer weiteren Verschlechterung der Einstufung Malis gegenüber den Vorjahren entsprach.
Außenpolitische Themen / zu Frankreich
In schwierigem regionalpolitischem Umfeld verfolgt Die Dritte Republik eine nicht ideologisch orientierte, pragmatisch ausgerichtete Außenpolitik. Die in diesem Rahmen unterhaltenen Beziehungen zu Deutschland können als gut bezeichnet werden. Im Rahmen dieser Beziehungen beteiligte sich Deutschland an der Bewältigung der Folgen des Nordmali-Konflikts in den neunziger Jahren und im weiteren Verlauf an der Beilegung des späteren, seit 2012 andauernden Nordmali-Konflikts.
Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich blieb lange Zeit das wichtigste europäische Partnerland Malis, bis die Beziehungen nach dem Truppenabzug 2022 und der politischen Neuausrichtung Malis vollständig zum Erliegen kamen. Die Situation eskalierte schliesslich durch die Ausweisung des französischen Botschafters und die einseitige Aufkündigung der Verteidigungsabkommen mit Frankreich sowie der Task Force Takuba durch die malische Übergangsregierung im Mai 2022. In der Folge wurden die Ausstrahlungsrechte für die französischen Sender RFI und France 24 dauerhaft entzogen und die Aktivitäten aller von Frankreich finanzierten Nichtregierungsorganisationen im Land untersagt. Mit der Verfassungsreform von 2023 verlor Französisch zudem den Status als Amtssprache und wurde zur Arbeitssprache herabgestuft.
Zeitgleich mit dem Abbruch der Beziehungen zu Frankreich intensivierte die malische Führung die militärische Zusammenarbeit mit Russland, was die Stationierung russischen Personals der Gruppe Wagner und den Bezug russischer Rüstungsgüter umfasst. Doch vor 2022 wurde Frankreichs Position gegenüber Mali insbesondere durch das Eingreifen französischer Truppen in den Nordmali-Konflikt erheblich gestärkt. 2014 unterzeichneten die Verteidigungsminister Malis und Frankreichs ein Militärabkommen, wodurch sich Frankreich beispielsweise die Nutzung der strategisch wichtigen Militärbasis Tessalit in Nordmali sicherte. Gegen das Zustandekommen dieses Abkommens wurde jedoch in Mali erhebliche Kritik geäußert.
Die malisch-französischen Beziehungen wurden schon immer in den vergangenen Jahren wiederholt belastet. Hierbei gewichtete man malische Vorwürfe hoch: Teile der französischen Regierung hätten einen Regierungssturz in Mali geplant. Zudem für erhebliche Verstimmungen sorgte in Mali die zeitweilige Zusammenarbeit der französischen Armee mit der MNLA in der Bekämpfung islamistischer Rebellengruppen.
Belastet wurden die malisch-französischen Beziehungen auch durch die Migrationsproblematik. So sorgte die wiederholte Weigerung der malischen Regierung unter dem ehemaligen Präsidenten Touré für Verstimmungen, ein von der französischen Regierung empfohlenes Abkommen zu Migrationsfragen zu unterzeichnen. Dieses Abkommen hätte die Zwangsabschiebung von illegal in Frankreich lebenden Maliern erleichtert. Besagte Weigerung der malischen Regierung konnte in erster Linie auf wirtschaftliche und innenpolitische Gründe zurückgeführt werden. Zum einen werden die Transferleistungen der in Frankreich lebenden Malier im Jahr 2014 auf jährlich zirka 135 Mio. US-Dollar beziffert. Zum anderen wurden im Lande zunehmend Stimmen laut, die eine selbstbewusstere Haltung der Regierung gegenüber der französischen Migrationspolitik fordern. Die französische Regierung ihrerseits reagierte mit einer weiteren Verschärfung der Einreisebestimmungen. Für erhebliche Empörung sorgten wiederholte Versuche französischer Flugzeugbesatzungen, malische Staatsbürger am Besitz gültiger Einreisedokumente für deren Rückflug nach Frankreich zu hindern.
Außenpolitische Themen / hinsichtlich EU & anderen Akteuren
Auch in den Beziehungen zur EU spielen Migrationsfragen und Zwangsrückführungen malischer Bürger eine zunehmende und hochgradig umstrittene Rolle. 2008 eröffnete die EU in Bamako ein Zentrum für Migrationsfragen; ob dadurch allerdings die oftmals gefährliche Emigration in Richtung Europa langfristig besser gelenkt werden kann, hat sich bis heute, 2026, als höchst zweifelhaft erwiesen.
Seit Mitte der Neunziger Jahre konnte man eine zunehmend außenpolitische Anlehnung an die USA beobachten. Diese verfolgte Frankreich bisweilen misstrauisch. Parallel zum langjährigen Machtverlust Frankreichs in Afrika gewannen die USA zunehmend an politischem Gewicht in der Region. Was auch mit Sorge hinsichtlich der Entwicklung der chinesischen Afrikapolitik verfolgt wurde. Die USA hatten zwischenzeitlich sowohl die Mittel zur Förderung der sozioökonomischen Entwicklung und der Demokratie sowie die Militärhilfe zugunsten Malis deutlich aufgestockt, und betrachteten das demokratische Mali als einen bedeutenden Partner, dem im Rahmen der neuen US-Afrikapolitik eine entscheidende Rolle in der Regionalpolitik, der regionalen Konfliktbewältigung sowie dem von den USA initiierten Kampf gegen den Terror zufiel. Seit 1993 befanden sich amerikanische Militärausbildende in Mali. Bis zum Zeitpunkt des Militärputschs 2012 erhielt das Land von den USA im Rahmen des Militärprogramms Pan-Sahel-Initiative sowie des Antiterrorprogramms Trans-Sahara Counterterrorism Partnership Unterstützung. Diese zielten in erster Linie darauf ab, die Entstehung von Ausbildungs- und Rückzugsräumen für terroristische Gruppen in Nord-Mali zu verhindern. Bis Anfang 2012 wurden auch militärische Übungen in Mali durchgeführt, woran neben malischen Einheiten auch Soldaten aus den USA teilnahmen. Zuvor hatte die US-Regierung eine Erhöhung der Ausrüstungslieferungen an die malische Armee angekündigt. Seit 2014 nahmen malische Einheiten an von US-Militärberatern geleiteten Antiterror-Ausbildungen in Westafrika teil.
Mali unterhält gute Beziehungen zur VR China sowie den wichtigsten islamischen Staaten. Angesichts der Sicherheitsprobleme in Teilen Nigers und Malis hatte die Zusammenarbeit mit der nigrischen Regierung an erheblicher Bedeutung gewonnen. Auch wurden so seit 2007 die Schaffung gemeinsamer Patrouillen im zunehmend unsichereren Grenzgebiet und eine erneute Intensivierung der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Extremisten vereinbart. Nach zwei schweren Anschlägen islamistischer Rebellen in Nordniger 2013 wuchs die Sorge vor einem Übergreifen des Nordmali-Konflikts auf andere Länder, und zwar auf den Norden Burkina Fasos, Niger und/oder auf das südliche Libyen.
Malische Vermittler waren in verschiedenen regionalen Konflikten aktiv. Zudem beteiligte sich das Land an friedensschaffenden und -sichernden Militärmissionen. So beteiligte sich Mali zeitweilig an der UNAMID-Mission in der sudanesischen Provinz Darfur sowie an der MINUSTAH-Mission in Haiti. Diese internationalen Engagements wurden jedoch mit dem Auslaufen der genannten Missionen (2017 bzw. 2020) und der zunehmenden innenpolitischen Instabilität Malis sowie dem Bruch mit den UN-Partnern im Jahr 2023 faktisch beendet.
Bezüglich des Bürgerkriegs in der Elfenbeinküste von 2011 nahm die malische Regierung eine moderate Position ein, was für die Regierung angesichts der direkten Betroffenheit zahlreicher in der Elfenbeinküste lebender Malier schwierig erschien. In Folge des Konflikts flohen Zehntausende Malier aus der Elfenbeinküste. Die Aufnahme und Reintegration der Flüchtlinge stellten Mali vor immensen Herausforderungen.
Unter den vermuteten ausländischen Söldnern, die im libyschen Bürgerkrieg vom Gaddafi-Regime eingesetzt worden sein sollen, befanden sich möglicherweise auch Kämpfer aus Mali. Als höchst problematisch wurde die Rückkehr von Tausenden malischstämmigen Soldaten der geschlagenen libyschen Armee gewertet, die während Kriegsende schwer bewaffnet nach Nordmali zurückkehrten und bei der anschließenden Eroberung Nordmalis eine wesentliche Rolle spielten.
Am Ende des libyschen Bürgerkriegs wurden schwere Waffen aus libyschen Beständen nach Nordmali geschmuggelt. Dies führte in extremem Masse zu einer weiteren Destabilisierung der Situation und Anfang 2012 zum Sieg der nordmalischen Rebellengruppen über die Armee.
Hinsichtlich des Eingreifens der NATO in den libyschen Bürgerkrieg wurde auch in Mali eine kontroverse Debatte geführt. Nach der Ermordung des libyschen Machthabers Gaddafi versammelten sich Tausende in der größten Moschee Bamakos zu einer Gedenkveranstaltung.
Während des libyschen Bürgerkriegs flohen in Folge der Kampfhandlungen und besonders wegen brutaler Übergriffe von Rebellenverbänden schätzungsweise 20.000 bis 40.000 Malier aus Libyen. Wobei die Reintegration auch im Falle dieser Flüchtlinge eine beachtliche Herausforderung ausmachte. Auch Tausende aus Libyen geflüchtete Bürger anderer afrikanischer Staaten fanden in Mali Zuflucht.
Mali war bis Januar 2024 Mitglied der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS, ist Mitglied der NEPAD und immer noch formales Mitglied der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion UEMOA.
Der Austritt Malis aus der ECOWAS erfolgte offiziell mit der Begründung, dass die Organisation durch die Verhängung massiver Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen die malische Bevölkerung gegen ihre eigenen Grundsätze verstoßen habe und zunehmend unter den illegitimen Einfluss ausländischer Mächte geraten sei.
Dass Mali nur noch als formales Mitglied der UEMOA gilt, liegt darin begründet, dass das Land zwar technisch weiterhin den CFA-Franc als Währung nutzt, die politische und institutionelle Zusammenarbeit jedoch infolge der 2022 verhängten Sanktionen weitgehend einstellte und stattdessen den Aufbau einer eigenen Währungsarchitektur innerhalb der Allianz der Sahel-Staaten (AES) vorantreibt.
Eine Vielzahl von lesenswerten Artikeln über die malische Außenpolitik findet sich hier auf der Internetseite des malischen Außenministeriums.
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Die Redaktion, Frau S. Keller, überarbeitete diesen Text vollständig und brachte aktuelle Ergänzungen an. Die ursprünglichen Texte entstammen dem Länderportal der GIZ; ursprünglicher Verfasser: Kai Uwe Seebörger. Die Urheber wurden über unsere Weiterverwendung informiert.
Die Beitrag-Links führen zu den entsprechenden Orten auf der Weltkarte und weiterführenden Informationen.



